Andreas Büttner

Andreas Michael Büttner

Wie entsteht Stress?

Oberflächlich betrachtet kommt Stress natürlich von außen. Sollte man meinen. Die Arbeit, der Chef, die Familie, die Kinder und … und … und …

Medizin und Wissenschaft sind sehr weit in der Stress-Forschung. Man ist sich einig darin, dass Stress gerade nicht von außen kommt, sondern dass wir ihn uns selber machen. Mit unseren Gedanken, unseren Einstellungen, unseren Vorstellungen, wie wir die Dinge gerne hätten und wie nicht.

Im Grunde ist das schon seit Tausenden von Jahren bekannt. Buddhisten haben sich sehr intensiv damit beschäftigt, auch wenn sie das Wort Stress damals sicherlich noch nicht kannten. Dem römischen Kaiser und Philosophen Marc Aurel wird der Satz zugeschrieben: „Nicht die Dinge an sich beunruhigen uns, sondern die Meinung, die wir von den Dingen haben.“

Konkret heißt das: Nicht der Berg an Arbeit, der vor dir liegt, macht dir Stress, sondern das Gefühl, dass du ihn nicht bewältigen kannst, dass er dich überfordert. Vielleicht kommt auch das Gefühl hinzu, dass du deine Arbeit eigentlich gar nicht magst!

Auch ein Stau ist an sich nicht das Problem, sondern dass du damit wahrscheinlich den Gedanken verbindest, du würdest „Zeit verlieren“ und zu spät zu deinem Termin kommen. Oder du wolltest einfach das schnelle Fahren genießen, was nun aber nicht geht. Irgendwelche Gedanken und Gefühle löst er immer aus, und je nachdem, welcher Natur diese Gedanken und Gefühle sind, hast du Stress oder nicht.

Das Wetter z.B. ist immer ein gutes Thema, wenn es darum geht, wie wir darauf reagieren. Die meisten Menschen kommentieren das Wetter: Es ist ihnen entweder zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken, es macht müde, es geht auf den Kreislauf oder was auch immer. Dabei gibt es immer auch die Möglichkeit, das Wetter einfach so zu nehmen wie es ist und das Beste daraus zu machen.

Wenn feststeht, dass die Art und Weise, wie wir auf bestimmte Dinge reagieren, darüber entscheidet, ob wir Stress verspüren oder nicht, dann ist klar, dass Menschen jeden Alters unter Stress leiden können: Kinder und Jugendliche ebenso wie Berufstätige und Rentner. Jungen und Mädchen, Männer und Frauen sind gleichermaßen von Stress betroffen und – wenn er überhandnimmt und nicht abgebaut werden kann – von Burnout bedroht.

Kann positives Denken Stress verhindern?

Wenn negatives Denken Stress verursacht und positives Denken nicht, dann liegt es doch nahe, nur noch positiv zu denken. Oder nicht?

In der Tat wollen viele Seminare und Techniken dies vermitteln. Ich bewundere Menschen, bei denen es funktioniert! Ich gebe zu, dass ich nicht dazu gehöre.

Ist es möglich, nur positiv zu denken? Ich will es nicht ausschließen, aber – ganz ehrlich – ich glaube nicht daran. Das ist meine ganz persönliche Meinung.
Warum glaube ich nicht daran? Nun, unser Verstand ist so gepolt, dass er ständig abwägt, ständig bewertet und beurteilt: Was ist gut für uns, was könnte sich nachteilig für uns auswirken? Alles im Leben hat Vor- und Nachteile, so sagt man. Mein Verstand sieht das auch so. Deshalb denkt er so viel.

Doch neben unserem Verstand gibt es noch eine Instanz, die einen sehr, sehr großen Einfluss auf unser Denken hat: unser Ego, unser innerer Schweinehund oder wie auch immer man diese Instanz nennen mag. Und diese Instanz – ich bleibe bei dem Begriff Ego – meint es alles andere als positiv mit uns. Es führt sozusagen ein Eigenleben in uns. Es steuert unser Denken und unser Verhalten, meist ohne dass wir es merken. Es hat eine eigene Vorstellung davon, wie es die Dinge haben will und wie nicht. Meistens ist es auf Krawall programmiert! Mit Begriffen wie Ruhe und Frieden kann das Ego nichts anfangen.

Wahrscheinlich ist es auch mein Ego, das dafür sorgt, dass ich nicht an positives Denken glaube. 🙂

Was kann noch dazu beitragen, Stress abzubauen?

Es gibt eine Methode, den Geist vollkommen zur Ruhe zu bringen: Meditation.

Wenn du meditierst, denkst du nicht. Wenn du nicht denkst, hast du keinen Stress. So einfach ist das.

Mit Meditation verbinden viele Menschen die Vorstellung, stundenlang still zu sitzen und nichts zu tun. Bei uns im Westen ist diese Form der Meditation (Vipassana-Meditation) die bekannteste. Tatsächlich ist es nur eine von vielen Arten zu meditieren.

Außerdem tust du sehr wohl etwas: Du beobachtest deinen Atem, du nimmst deine Gedanken wahr, die unweigerlich kommen. Und du machst dir bewusst, was diese Gedanken in dir auslösen. Du machst sie dir bewusst, du nimmst sie zur Kenntnis, aber ohne sie zu bewerten, ohne zu interpretieren und ohne sie verändern zu wollen. Du akzeptierst die Dinge so, wie sie sind. Dadurch entsteht große Ruhe in dir.

Das ist der Unterschied zum Ego. Das Ego arbeitet unbewusst. Es wird die Dinge erst akzeptieren, wenn sie so sind, wie es – das Ego – sie haben will. Und genau das erzeugt Stress: Die Tatsache, etwas anders haben zu wollen als es ist!

Meditation ist also eine sehr effektive – und noch dazu eine sehr angenehme – Methode, um Stress dauerhaft abzubauen bzw. ihn gar nicht erst entstehen zu lassen.